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„Nachbarschaft hält zusammen“ – eine viertägige Aktion mit dem Kiosk der Solidarität
25.06.25Der Start ins Jahr 2025 war mit zahlreichen Herausforderungen verbunden: Kürzungen im Berliner Haushalt bedrohten die Existenz vieler sozialer Projekte in unserem Kiez, die bevorstehende Bundestagswahl – bei der später die AfD 20 % der Stimmen erhielt – sorgte für politische Unruhe, und die anhaltenden Kriege weltweit führten zu wachsender Polarisierung und Unsicherheit in der Gesellschaft. Unserem Team war bei der Jahresplanung klar: Dieses Jahr müssen wir Stärke zeigen und ein deutliches Zeichen für sozialen Zusammenhalt setzen.
Bereits im vergangenen Jahr hatten wir die Gelegenheit, mit dem Kiosk der Solidarität zusammenzuarbeiten (siehe auch Blogbeitrag hier dazu). Als wir erneut eingeladen wurden, mit dem Kiosk-Team zu kooperieren, waren wir einig: Das ist unsere Chance, gemeinsam mit anderen Projekten aus dem Kiez nicht nur ein starkes Zeichen für gesellschaftliche Kohäsion zu setzen, sondern – angesichts der Kürzungen – auch Ressourcen zu bündeln und eine gemeinsame Plattform zu schaffen, um die Vielfalt sozialer Projekte sichtbar zu machen.
In unseren Netzwerken haben wir verschiedene Organisationen angesprochen und zum ersten Planungsauftakttreffen am 11. März eingeladen. Dort wurden Ideen ausgetauscht, Mitmachaktionen entwickelt und neue Synergien entdeckt. So kam zum Beispiel das Team des Gewaltpräventionsprojekts Stadtteile ohne Partnergewalt (StoP) mit dem ehrenamtlich getragenen Projekt Frauen machen Druck in Kontakt, das durch Druckgrafik Frauen für politische Themen sensibilisiert. Bereits beim Treffen wurde der Plan gefasst, gemeinsam eine Druckaktion zum Thema Partnergewalt durchzuführen. Auch das wöchentliche Sprach- und Kiezcafé in der Bona Peiser entwickelte zusammen mit der Gemeinschaftsunterkunft in der Stallschreiberstraße die Idee für ein mobiles Sprachcafé.
Insgesamt kamen 17 Organisationen aus dem Kiez zusammen und entwickelten ein viertägiges, kostenloses Programm voller Begegnung, Austausch, Spiel und Kreativität. Am Montag, den 16., und Dienstag, den 17. Juni, stand der Kiosk auf dem Kastanienplatz. Mit niederschwelligen Angeboten wie Batiken, Playstation und Kinderschminken wurden vor allem Familien angesprochen, die sich dabei über die vielfältigen Angebote im Kiez informieren konnten. Vor Ort waren unter anderem das Straßensozialarbeitsteam von Outreach, das Quartiersmanagement Wassertorplatz sowie die Quartierskoordinatorin der GEWOBAG. Im Anschluss waren Besucher:innen eingeladen, den Nachmittag beim „Tanzvergnügen“ – einem Tanzangebot für Senior:innen, das im Rahmen des Projekts Gitti & Gerda alle zwei Monate stattfindet – gemeinsam ausklingen zu lassen.
Am Mittwoch, den 18., und Donnerstag, den 19. Juni, stand der Kiosk vor der Bona Peiser. Die regelmäßig stattfindende Hobby-Werkstatt war mit Brettspielen und Backgammon vertreten – besonders beliebt bei älteren Nachbar:innen. Besucher:innen konnten außerdem zusammen mit Frauen von Tatreez Berlin die Techniken traditioneller palästinensischer Stickerei erlernen oder sich über kultursensible psychosoziale Beratung bei IPSO informieren. Kreuzberg Kickt, ein Projekt von Wassertor e.V., das Gewalt unter Jugendlichen verhindert und soziale Teilhabe durch niederschwelliges Fußballspielen fördert, organisierte ein Tischtennisturnier mit 22 Teilnehmenden. Zu gewinnen gab es Preise, gespendet von Butterfly und dem benachbarten Köfteladen Akcaabat Saray.
Der Donnerstag war geprägt von kreativen Mitmachaktionen – etwa Buttons gestalten mit Omas gegen Rechts, Magneten basteln mit der Stadtteilbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg, Keramikangebote von Hallo Keramik, Monotypie-Druck mit der Kunstwerkstatt Lebenshilfe Berlin, Linoldruck mit Frauen machen Druck in Kooperation mit StoP sowie gemeinsames Weben mit dem Netzwerk gegen Feminizide. Um besser zu verstehen, welche Bedürfnisse Frauen im Kiez haben und passende Angebote entwickeln zu können, war unser Team mit einem mobilen Nagelstudio vor Ort. In entspannter Atmosphäre konnten Besucher:innen dort ihre Wünsche äußern und Themen wie das Wohlbefinden im öffentlichen Raum ansprechen. Auch das StoP-Team suchte das Gespräch, etwa zu kritischer Männlichkeit, Vorbildern und der gerechten Verteilung von Sorgearbeit. Außerdem wurde während der Aktion unsere Sitzbank vor der Bona Peiser in den StoP-Farben blau und grün bemalt und mit dem Spruch „Hier ist kein Platz für Gewalt an Mädchen und Frauen“ von unserer Kollegin Vici Avci feierlich besprüht, um ein klares Zeichen gegen geschlechtsspezifische Gewalt in der Nachbarschaft zu setzen.“
Die vier Tage waren für unser gesamtes Team ein eindrucksvoller Beweis dafür, was möglich ist, wenn vielfältige Organisationen, die jeweils unterschiedliche Zielgruppen erreichen, unter einem gemeinsamen Motto zusammenkommen und Räume für intergenerationellen und interkulturellen Austausch schaffen. Der Kiosk ist für uns weit mehr als ein bewegliches Stahlkonstrukt – er ist ein politisches Symbol für Hoffnung, Zusammenhalt und Solidarität. Nicht nur für unsere Nachbar:innen, sondern auch für unsere Arbeitsweise mit Kooperationspartner:innen.
Denn wir sind überzeugt: Erfolgreiche Stadtteilarbeit gelingt nur im Miteinander – gerne auch mit dem Blick von außen durch universitäre Projekte wie den Kiosk der Solidarität, bei dem durch interdisziplinäre Perspektiven neue Ansätze und innovative Formen der Partizipation entstehen können. An dieser Stelle möchten wir Dr. Moritz Ahlert von der TU Berlin für seine Vision und sein Engagement an der Schnittstelle von Urban Design und Sozialer Arbeit herzlich danken. Die unkomplizierte Zusammenarbeit mit ihm – insbesondere mit unserer Kollegin Amira Hoeltz – war ein echtes Highlight. Ebenso danken wir den Studierenden Andrea Rivas Rodriguez, Nicole Baruffaldi und Mateo Leroux für ihre Unterstützung in der Koordination, insbesondere beim Kiez-Mapping.
Wir freuen uns auf weitere Gelegenheiten des Zusammenkommens – nicht nur mit dem Kiosk, sondern mit allen beteiligten Organisationen. Die kommenden Jahre mögen herausfordernd werden, doch durch Solidarität und gemeinsames Handeln können wir mehr erreichen.
Fotos: Monika Keiler