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Unterwegs im Kiez mit dem Kiosk der Solidarität

30.09.24

„Alle anders, alle gleich“ – so lautete das Motto einer unseren kollaborativen Kiezaktionen mit dem wanderndenKiosk der Solidarität, ein von Studierenden geführtes Projekt des Masterstudiengangs Urban Design an der TU Berlin unter der Leitung von Dr. Moritz Ahlert. Im Sommer wurden wir eingeladen, Teil der wandernden Tour des Kiosks zu sein und haben direkt die Chance ergriffen, im Rahmen unserer Mobilen Stadtteilarbeit mit dem Projekt zu kooperieren und die Anziehkraft des bunt gestalteten Kiosks für Gesprächsanlässe mit Nachbar:innen zu nutzen.

Der Kiosk der Solidarität wird von diversen Initiativen und Projekten, die solidarische Praxis leben und gestalten, in den Sommermonaten an unterschiedlichen Orten Berlins jeweils für einige Tage in Zusammenarbeit mit den Studierenden genutzt. In vielfältigen Formaten bringen sie Nachbar:innen, Mitstreitende und andere Interessierte zusammen und schaffen dabei Gelegenheiten für Wissensaustausch und Begegnung. Der Kiosk wird mit lebhaft gestalteten Plakate beschmuckt, die spezifisch für jeden Standort konzipiert werden und zum themenspezifischen Austausch einladen. Dabei tauchen die Studierende in unterschiedlichen Lebensrealitäten ein und erleben die Möglichkeit, hautnah die Herausforderungen und Chancen von Urban Design-Praxen zu beobachten.

In der Mobilen Stadtteilarbeit stellen wir uns oft die Frage „Wie können wir Menschen auf die Angebote im Kiez nicht nur aufmerksam machen, sondern sie dabei ermächtigen, solche Angebote tatsächlich in Anspruch zu nehmen?“  Mit der Platzierung des Kiosks mitten im Kiez und der Gestaltung von niedrigschwelligen Mitmachaktionen herum haben wir dabei die Gelegenheit ergriffen, direkt mit Menschen in Kontakt zu treten und sie von unserem breiten Angebotsspektrum zu informieren. Dadurch dass der Kiosk für einige Tage an dem gleichen Ort war, haben wir erlebt, dass einige Nachbar:innen an mehreren Tagen uns besucht haben und somit konnten wir Vertrauen aufbauen und ein Stück Hürden abbauen.

Von 12. bis 14. August unter dem Motto „Sommer, Sonne, Sorgenfrei“ lief unsere erste Aktion, diesmal in dem neu eröffneten Lobeckpark. Der Standort wurde bewusst ausgewählt, um Nachbar:innen auf den Park als grünen Naherholungsort aufmerksam zu machen und Familien, die in diesem Jahr nicht in die Heimat zurückfahren konnten, trotzdem zumindest ein klein wenig Urlaubsgefühl zu ermöglichen. Bei der inhaltlichen Gestaltung des Kiosks war die Einbindung von anderen Projekten aus dem Kiez uns wichtig, denn schließlich wollten wir für mehr Sichtbarkeit der verschiedenen Angebote in der Nachbarschaft schaffen. So zum Beispiel haben wir mit Kollektiv Anemone zusammengearbeitet, um einen Heilkräuter-Kosmetik-Workshop vor dem Kiosk zu ermöglichen, und mit TheirStory, um die Migrationsgeschichten der Menschen im Kiez sichtbar zu machen . Die Zusammenarbeit mit externen Partnern hatte auch den Nebeneffekt, unsere bisher bestehende Kooperation zu stärken und Raum für weitere Zusammenarbeit zu schaffen.

Noch dazu kam ein Batik-Workshop, durchgeführt von Lisa aus unserem Kinder- und Jugendbereich, die damit nicht nur bei den jüngeren, sondern auch bei den älteren Besucher:innen im Park für Aufsehen gesorgt hat. Außerdem haben sich Teilnehmende aus dem montags stattfindenden Malkurs vor dem Kiosk gesammelt und haben gemeinsam mit Ölkreide den Kiosk künstlerisch abgebildet. Abgerundet wurden die drei Tage mit einer weiteren kreativen Mitmachaktion: der Druck von Postkarten mit diversen sommerlichen Linolschnitt-Motiven. Während die Kinder gedruckt haben, konnte das Mobile Stadtteilarbeit-Team ins Gespräch mit den Eltern gehen und sie dabei über die Angebote des Mehrgenerationenhauses informieren. Tatsächlich kamen ein paar Tage später einige Menschen, mit denen wir am Kiosk im Gespräch waren, in die Sozialberatung und konnten dabei wichtige bürokratische Anliegen klären.

Am 9. und 10. September stand der Kiosk auf dem Vorplatz der Bona Peiser – diesmal unter dem Motto „Alle anders, alle gleich“. Hier war unser Ziel, Menschen konkret auf die Angebote der Bona Peiser aufmerksam zu machen und dafür zu sorgen, dass Nachbar:innen den Ort als Symbol des Zusammenhalts wahrnehmen. So kam die Entscheidung, die Partnerschaften für Demokratie und die GEWOBAG-Quartierskoordinatorin Merle Brüser einzubinden, die durch den für den Berliner Demokratie-Tag am 15. September konzipierten Dialogboxes spielerisch mit Besucher:innen ins Gespräch gegangen sind. Noch dabei war Ingrid Johnson von RECASAS, ein weiterer Kooperationspartner der Bona Peiser, und hat Menschen auf die vor Ort regelmäßig stattfindenden Biografie-Schreibworkshops aufmerksam gemacht.

Ein besonderes Highlight des zweiten Kiosk-Termins war der spontane Besuch von Austausch-Studierenden aus Kolumbien, die zurzeit soziale Projekte in Berlin besuchen und sich durch einen Rundgang in den Räumlichkeiten der Bona Peiser inspirieren konnten. Die Idee wurde gesponnen, in Kontakt zu bleiben und den weiteren Wissensaustausch zu ermöglichen.

Bei den beiden Aktionen konnten wir als Mobile Stadtteilarbeit-Team viele Erkenntnisse für unsere weitere Arbeit im Kiez mitnehmen. Die Aktion war ein echter Beweis dafür, dass niedrigschwellige Mitmachaktionen draußen wirklich für lockere Gesprächsanlässe sorgen und Raum dafür schaffen, wichtige Themen im Stadtteil anzusprechen.

Die Zusammenarbeit mit den Studierenden hat uns viel Spaß gemacht und gezeigt, wie bereichernd und horizonterweiternd die interdisziplinäre Zusammenarbeit sein kann. Einen besonderen Dank möchten wir an die Studierenden Alexandra Nuñez, Hannah Jury, Ina-Marie Schöllmann und Tanja Beier ausrichten, die für eine reibungslose und erfüllende Koordinierung der beiden Aktionen gesorgt haben.

Wir haben auf jeden Fall Lust, nächstes Jahr dabei zu sein!

Fotos: Alexandra Gor und Monika Keiler

Ein Beitrag von Zahra Peasey