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Kochen im Kiez – wo Unterschiede zelebriert werden
06.11.24Was passiert, wenn sich Küche und Esstisch Menschen aus unterschiedlichen Kulturen teilen? Verderben viele Kochende wirklich den Brei und wie kann man der Einsamkeit des Berliner Winters entkommen? Die Idee für eine Aktion, bei der wir diesen Fragen nachgehen können, entsprang dem Wunsch mehrerer Nachbar:innen, gemeinsam Rezepte und Lieblingsgerichte miteinander zu teilen.
Die Planung für die Veranstaltung begann bereits im Frühjahr. In der Woche vor der tatsächlichen Aktion wurde dann in der Bona Peiser gemeinschaftlich ein konkretes Menü und die dazugehörige Zutatenliste zusammengestellt. Am ersten Oktoberabend erfüllte köstlich süßer Duft die Räume. Um die 20 Personen aus der Nachbarschaft trafen sich zur gemeinschaftlichen Kochaktion „Kochen im Kiez“.
Auf dem Speiseplan standen Gemüsegratin, Fladenbrot mit hausgemachten Hummus und als Dessert Milchreis nach türkischer Art. Eine besonders engagierte Nachbarin ging bereits am Tag der Veranstaltung im Vorfeld auf den Markt und in Lebensmittelläden im Kiez, um die nötigen Zutaten für ihren Beitrag zum Menü zu kaufen: den Gemüseauflauf.
Die Zutaten für den Milchreis (auf Türkisch: Sütlac), den Hummus und die Fladenbrote besorgten wir gemeinsam im benachbarten türkischen Supermarkt. Ab 16 Uhr trudelten dann nach und nach immer mehr engagierte Köch:innen ein. Wer nicht die Möglichkeit hatte sich tatkräftig beim Schnippeln und Kochen zu beteiligen und erst zum Essen eintraf, half anschließend beim Aufräumen und Spülen des Geschirrs.
Als alle Gerichte fertig und die Tafel gedeckt war, verstummten die regen Gespräche beim genussvollen Essen in gemütlicher Atmosphäre bei Kerzenschein. „Ich liebe es, mich einzubringen und etwas zu machen. Das mache ich freiwillig, denn es macht mich wirklich glücklich!“ –sagte eine Nachbarin beim Abräumen des Tisches. Ohne ihr Engagement wäre das „Kochen im Kiez“ nicht in der Form möglich gewesen. Zum Gelingen der Aktion trug auch die Förderung des Quartiersmanagements Wassertorplatz erheblich bei. Mit den Fördermitteln des Programms „Sozialer Zusammenhalt“ konnten zahlreiche Küchen- und Kochutensilien erworben werden.
Das gemeinsame Kochen war jedoch nicht nur geschmacklich ein voller Erfolg. Es konnten Kontakte zwischen Jung und Alt, zwischen Neuzugezogenen und Alteingesessenen im Kiez geknüpft werden. Viele sehr unterschiedliche Personen, die sonst wohl nie an einem Tisch gesessen hätten, haben sich über kiezbezogenes Alltagswissen und Esskultur aus aller Welt ausgetauscht und miteinander vernetzt. Besonders schön ist dieser Aspekt unter dem Gesichtspunkt, dass Einsamkeit ein immer größeres gesellschaftliches Problem darstellt und diese in den dunklen Herbst- und Wintermonaten noch stärker belastet als gewöhnlich.
Wir hoffen und gehen davon aus, dass die im Rahmen von „Kochen im Kiez“ gemachten Bekanntschaften auch über die Veranstaltung hinaus weiterwachsen können. Nicht zuletzt helfen Veranstaltungen wie die Kochaktion – den Aussagen einer Mitwirkenden nach – die alltäglichen Sorgen für einen Moment vergessen zu können, inne zu halten und sich im Beisammensein als Teil der Nachbarschaft zu betrachten. Darüber hinaus trug der gemeinschaftlich verbrachte Abend dazu bei, durch Neugierde, das Erkennen von Gemeinsamkeiten und der Austausch im Allgemeinen mehr Empathie und Verständnis für Mitmenschen aufzubringen. Beim Kochen wurden Unterschiede zelebriert, statt mit Vorurteilen und Ängsten begegnet.