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KiezGeschichten: Nachbar:innen erzählen Geschichten aus ihrem Leben durch Kunst

17.12.25

In der täglichen Zusammenarbeit mit Besucher:innen in der Bona Peiser – ob beim Malkurs, im Sprach- und Kiezcafé oder in den Angeboten für Senior:innen – spürt unser Team oft, dass sehr viele unterschiedliche Lebensgeschichten im Raum sind. Der Umgang mit lebensbedrohlichen Krankheiten. Die Überquerung von Landesgrenzen auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Die Sehnsucht nach Familie. Wie können diese Geschichten Raum bekommen? Wie können sie geteilt werden, sodass auch dabei Verbindung entsteht?

So entstand die Zusammenarbeit mit der Kunsttherapeutin Nora Heinisch. Wir hatten Nora bereits 2024 kennengelernt, als sie das soziokulturelle Projekt Projekt „TheirStory, Ihre Geschichten“ leitete und bei unserer Aktion im Lobeckpark mitwirkte. Wir schätzten Noras traumasensible, fürsorgliche Arbeitsweise sehr und entwickelten deshalb gemeinsam mit ihr das Konzept für KiezGeschichten – ein durch Kunst begleitetes Format, um bewusst für die Geschichten unserer Besucher:innen einen sicheren Rahmen zu schaffen.

KiezGeschichten verstand sich als Einladung, Geschichten aus dem Kiez gemeinsam zu tragen, zu teilen und sichtbar zu machen. Im Mittelpunkt standen Fragen danach, welche Geschichten die Teilnehmenden in sich tragen, wie sie sich zeigen lassen und was geschieht, wenn sie geteilt werden.

Insgesamt nahmen vierzehn Personen aus dem Kiez teil – einige kamen regelmäßig zu jedem Treffen, andere kamen hier und da dazu. Das Projekt umfasste insgesamt elf Treffen, die alle ein bis zwei Wochen mittwochs oder montags in der Bona Peiser stattfanden und jeweils drei Stunden dauerten. In dieser Zeit kamen die Teilnehmenden zusammen, um sich kennenzulernen, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich über eigene sowie fremde Geschichten auszutauschen. Begleitet wurden die Treffen von künstlerischen Prozessen, insbesondere Malen und Zeichnen. Die Teilnehmenden probierten verschiedene Materialien aus, lernten dabei neue Techniken kennen und entwickelten neue Wege, ihre Geschichten zu verarbeiten, zum Ausdruck zu bringen und zu teilen.

Bereits vor dem ersten Treffen wurden im September vier Interviews von Nora geführt und anschließend in Geschichten gefasst. Eine weitere Teilnehmerin brachte ihre Geschichte selbstständig in schriftlicher Form in das Projekt ein. Nicht alle Teilnehmenden wollten ihre eigene Geschichte direkt teilen. Einige identifizierten sich jedoch stark mit den Geschichten der anderen und setzten sich intensiv mit diesen auseinander, indem sie Bilder dazu entwickelten. Auf diese Weise konnten auch sie persönliche Anteile einbringen und sichtbar machen.

Wir sind super dankbar für das Mitwirken von Daniela Bellm von Hallo Keramik, einem Keramik-Laden in unmittelbarer Nähe der Bona Peiser, die bei zwei Terminen ihre Begeisterung und Leidenschaft für Keramik mit der Gruppe liebevoll teilte. Die Teilnehmenden lernten Teller sowie Tassen bzw. Schalen aus Keramik herzustellen und zu bemalen. Danach wurden die zuvor besprochenen Geschichten in Form von Bildern auf die Keramik übertragen. Zusätzlich wurde gemeinsam eine Tischdecke mit Inhalten der Geschichten und weiteren Bildern gestaltet, die ebenfalls Elemente der Geschichten aufgriff.

Beim letzten Treffen stand die Vorbereitung der Ausstellung im Mittelpunkt. Gemeinsam wurde die Präsentation geplant und am Ausstellungstag die Hefte mit den Geschichten und Illustrationen gemeinsam gefaltet. Die Ausstellung zeigte einen gedeckten Tisch, der die Geschichten der Teilnehmenden auf unterschiedliche Weise erzählte: durch bemalte Keramik, die gestaltete Tischdecke sowie kleine Hefte, die Texte und Poster mit Malereien enthielten. Die Ausstellung ermöglichte Besucher:innen einen vielschichtigen Einblick in die entstandenen Arbeiten und machte die individuellen und gemeinsamen Geschichten der Teilnehmenden sichtbar.

Im gemeinsamen Arbeiten, Erzählen und Gestalten entstanden Bilder, Formen und Objekte, die Erinnerungen, Erfahrungen und Gefühle auf unterschiedliche Weise übersetzten. Das Projekt bot den Teilnehmenden – sowohl den Erzählenden als auch den beteiligten Künstler:innen – einen Rahmen, in dem ihre Perspektiven Raum bekamen und sichtbar wurden. Innerhalb der Gruppe entstand eine Art Bühne, auf der sich die Teilnehmenden begegnen, austauschen und gegenseitig stärken konnten. Durch das Teilen von Geschichten, das gemeinsame Arbeiten und das aufmerksame Zuhören erfuhren viele eine Form von Selbstbestätigung und Selbstwirksamkeit, die auch hoffentlich weit ins neue Jahr und darüber hinauswirkt.

Wir sagen ein großes Dankeschön vor allem an Nora Heinisch für die künstlerische Leitung des Projekts sowie an Daniela Bellm für ihr Mitwirken bei den Keramik-Produkten und bedanken uns ganz herzlich bei allen Teilnehmenden für ihr Vertrauen, Mut und Offenheit beim Teilen und Zuhören: eure Geschichten bereichern unseren Kiez!

Das Projekt „KiezGeschichten“ wurde ermöglicht durch die Projektfonds Kulturförderung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg

 

Dieser Text ist entstanden in Zusammenarbeit mit Nora Heinisch

Ein Beitrag von Amira Hoeltz