Blog





So bunt wie wir – eine Ausstellung des Malkurses
28.08.25Ein besonderer Tag im Mehrgenerationenhaus Wassertor. Das Café ist brechend voll. Die klassische Musik aus der Geige der Geigenvirtuose schallt durch das ganze Haus. Der Duft der von den Besucher:innen selbst zubereiteten Börek, Kuchen und Torten verbreitet sich im Raum. Die Blicke richten sich auf die eingerahmten Acrylbilder an den Wänden… “So bunt wie wir“, eine Ausstellung mit Werken der Teilnehmer:innen des jeden Montag in der Bona Peiser stattfindenden Malkurses, wird eröffnet.
Der Malkurs entstand als Folge der Arbeit des Mobile Stadtteilarbeit-Teams. Als Antwort auf den Wunsch der Bewohner:innen des Viertels nach einer künstlerischen Beschäftigung und einem Ort der Begegnung bietet der irakische Künstler Nihad Hilmi auf ehrenamtlicher Basis seit drei Jahren jeden Montag zwischen 14 und 17 Uhr einen offenen Malkurs für Interessierte an. Im Kurs werden Bilder mit Acrylfarben gemalt, Tee und Kaffee getrunken, aber vor allem kommen die Menschen zusammen und tauschen ihre Erfahrungen, Probleme, Wünsche und Bedürfnisse sowohl mit dem Team der Mobilen Stadtteilarbeit als auch untereinander aus. Rassismus, Armut, familiäre Beziehungen, Arbeitssuche und Sprachkurse sind nur einige der Themen, über die beim Malen gesprochen wird.
Wer sind die Kursteilnehmer:innen? Alle. Kurden, Türken, Deutsche, Iraner, Italiener, Ukrainer, Araber. Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Kulturen und sozialen Hintergründen. Einige malen schon seit langem, andere haben in diesem Kurs zum ersten Mal einen Pinsel in die Hand genommen. Gerade deshalb haben sie sich, als die Idee einer Ausstellung aufkam, gemeinsam für das Thema „Vielfalt” entschieden, das sie als Gruppe am besten widerspiegelt. Sie haben sehr unterschiedliche Bilder gemalt und kurze Texte in ihren Muttersprachen geschrieben, die ihre Assoziationen zum Thema „Vielfalt” darstellen.
Bei der Ausstellungseröffnung schauen sich die Gäste interessiert die Bilder an und lesen die Texte unter jedem Bild. Die Künstler:innen posieren vor ihren eignen Werken und machen Fotos, um sie mit ihren Lieben zu teilen. Auf allen Gesichtern ist der berechtigte Stolz darüber zu sehen, etwas so Tolles geschafft zu haben. Viele Ziele, die sich das Projekt Mobile Stadtteilarbeit bei der Umsetzung des Malkurses gesetzt hat, werden hier verwirklicht: die Begegnung verschiedener Gruppen miteinander durch Kreativität zu ermöglichen, die gesellschaftliche Teilhabe zu fördern, Menschen durch Erfolgserlebnisse zu stärken und natürlich den sozialen Zusammenhalt zu stärken.
Ein Bild, das bei den Besucher:innen besonders großes Interesse weckte, war das von Sophia. Sie malte Porträts der Malkursteilnehmer:innen und schrieb darunter den folgenden Text:
„Wie in einem großen, bunten Blumengarten treffen sich im Malzirkel die unterschiedlichsten Menschen aus aller Welt. Bis zur „Berliner Pflanze“ entfalten sich hier durch tägliche Begegnung Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und Perspektive und wachsen zum „WIR“ zusammen.“
Der Malkurs und die daraus resultierende Ausstellung sind nur eine von vielen Formaten der Mobilen Stadtteilarbeit im Wassertorkiez. Leider sind diese und ähnliche Angebote in ganz Berlin in ihrer Existenz bedroht. Im Rahmen des Sparpakets des Berliner Senats wurde beschlossen, zunächst 18 der 36 Teams der Mobilen Stadtteilarbeit in Berlin nicht mehr zu finanzieren. Das Wassertorkiez-Team arbeitet derzeit noch weiter, aber in Zukunft wird das gesamte Projekt möglicherweise abgeschafft. Wir setzen uns dafür ein, dass alle 36 Teams der Mobilen Stadtteilarbeit erhalten bleiben. Wenn du uns unterstützen möchtest, kannst du die Flyer und Bilder unter Bündnis Soziales Berlin teilen oder uns bei der Demonstration am 11. September unterstützen.
Wir treffen uns um 9:30 Uhr am Donnerstag 11. September vor dem Mehrgenerationenhaus Wassertor (Wassertorstraße 48) und gehen gemeinsam zum Abgeordnetenhaus. Um 10 Uhr beginnt die Kundgebung. Am Mittwoch 10. September zwischen 15 – 17 Uhr sind Nachbar:innen herzlich eingeladen, in unserem Nachbarschaftscafé Demo-Schilder zu malen und Video-Botschaften für Social Media abzugeben.
➡️ In diesem Artikel erläutern wir weiter, warum die Mobile Stadtteilarbeit gerettet werden muss.